Pacura & ich: Mitarbeiter im Portrait

„»Die Palme ist wieder da« rief mir neulich ein Heimbewohner freudestrahlend entgegen, als ich meinen Dienst antrat“, schmunzelte Désirée, die am liebsten Dési genannt werden möchte. Die rothaarige Altenpflegerin, die im Dienst ihre Haare meist zu einem Zopf am Oberkopf, der einer Palme ähnelt, trägt, bringt mit ihrer immer fröhlichen und offenen Art ihre Bewohner gerne zum Lachen. Auch von ihren Tattoos sind die Senioren fasziniert. „Ich erlebe in meinem Beruf jeden Tag schöne Momente und bin sehr froh, dass ich mich damals für einen Pflegeberuf entschieden habe“, so die 29-Jährige.

Qual der Wahl

Es gibt Menschen, die wissen schon von Geburt an, welche berufliche Laufbahn sie später einmal einschlagen werden und dann gibt es Leute wie Dèsi, die sich im letzten Schuljahr die Frage stellen „Was will ich eigentlich mal werden?“ In Deutschland gibt es über 300 verschiedene Ausbildungsberufe. Kein Wunder also, wenn man sich im ersten Moment nicht entscheiden kann, welcher Beruf tatsächlich zu einem passt – vor allem stimmen Theorie und Praxis oftmals nicht überein.

Um zu sehen, ob eine Ausbildung in der Pflege wirklich das Passende ist, entschied sich Dési für ein freiwilliges soziales Jahr. Mit 16 Jahren zog die gebürtige Sächsin dann ins tiefste Bayern, in ein kirchliches Pflegeheim nach Dachau. Dort absolvierte sie in Vollzeit ihre Schülerdienste und konnte erste Erfahrungen in der Pflege sammeln. Seminare und eine Abschlussfahrt nach Holland bereicherten ihr FSJ und für Dési stand fest, sich für einen Ausbildungsplatz in der Pflege zu bewerben.

In ihrer Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin hatte Dési die Möglichkeit in verschiedenen Einrichtungen und Abteilungen des Trägers tätig zu sein. Durch ihren Motorradführerschein war sie zudem super flexibel und konnte Einblicke in die Arbeitsabläufe der Gerontopsychiatrie als auch einer ambulanten Station werfen. Da sie im Heim kaum Wunden versorgen konnte, sich aber für das Thema sehr interessierte, durfte Dési für drei Monate in einer Hautklinik arbeiten, wovon sie heute noch profitiert. „Eine Oberschwester der alten Schule hat mir damals beigebracht, wie man einen Beinverband wickelt, was ich heute noch in Perfektion beherrsche.“, so die quirlige 29-Jährige.

Nachts auf Station

Viele Auszubildende wechseln nach der Abschlussprüfung ihren Betrieb, um nicht ein Leben lang „der Azubi“ zu bleiben. Dési entschied sich ebenfalls für diesen Schritt und entdeckte in einem neuen Haus ihre Leidenschaft für die Nachtschicht. Auch wenn die Verantwortung, die die damals 20-Jährige übernehmen musste, enorm war, entwickelte sie schnell eine gewohnte Routine. Zu Dienstbeginn findet erstmal eine Übergabe mit der Spätschicht statt, bevor sich Dési ihren Bewohnern widmet. Viel Zeit bleibt nicht, da die meisten Senioren bereits zu Bett gehen. Hilfe brauchen dabei vor allem Dekubitus-Patienten, die richtig gelagert werden müssen und auch die Inkontinenzversorgung ist Bestandteil der Altenpflege. Sobald dann Ruhe eingekehrt ist und die Heimbewohner schlafen, bereitet Nachteule Dési Medikamente für den Frühdienst vor, deckt den Frühstückstisch und startet ihre nächtlichen Rundgänge.

„Das schönste an meinem Beruf ist jedoch das Lächeln meiner Patienten und deren Freude darüber, mich wieder zu sehen“, schwärmt Dési. Obwohl sie am liebsten nachts arbeitet, schätzt sie am meisten an ihrem Beruf als Altenpflegerin, die gemeinsamen Aktivitäten und Momente mit ihren Bewohnern. Dazu zählen Kinonachmittage, Spiele mit den Bewohnern oder Bewegungsübungen, um die Senioren fit zu halten.

Durch die Covid-19 Pandemie hat sich auch das Leben im Seniorenheim verändert. Demente Bewohner trifft es dabei besonders hart, da sie nicht verstehen, warum sie plötzlich im Zimmer bleiben müssen oder kaum Besuch bekommen. Dési ist in solchen Momenten dann „nicht nur“ Altenpflegerin, sondern Seelentrösterin, engste Vertraute und eine gute Zuhörerin. Zu einer Heimbewohnerin in ihrem aktuellen Einsatzort hat sie ein besonderes Verhältnis. Zu Beginn, als Dési in die Einrichtung kam, hatte die alte Dame einen Infekt und war bettlägerig. Mit viel Liebe und Zuneigung hat sich die einfühlsame Pflegefachkraft um die Seniorin gekümmert, sie unterstützt und viel mit ihr geredet. Mittlerweile ist die Bewohnerin wieder so fit, dass sie sich selbstständig versorgen kann.

Frühstück in Paris

Die Zeitarbeit hat oft mit einem negativen Image zu kämpfen. Viele Bewerber haben am Anfang Berührungsängste, da oftmals wichtige Hintergrundinformationen fehlen oder auch Falschaussagen kursieren. So erging es auch Dési, als sie sich beruflich verändern wollte und auf der Suche nach mehr Abwechslung vom tristen Arbeitsalltag war. „Ich stand der Arbeitnehmerüberlassung zu Beginn echt kritisch gegenüber, dachte mir aber, wenn ich es nicht versuche, werde ich nie erfahren, ob dieses Arbeitsmodell für mich passend ist. Also wollte ich mich vom Gegenteil überzeugen“, sagte Dési und fügt hinzu „mein Onkel war auch skeptisch, weshalb er mir eine ungewöhnliche Wette vorschlug: „Wenn Du mindestens zwei Jahre bei Deinem neuen Arbeitgeber durchhältst, lade ich Dich zu einem Frühstück Deiner Wahl, in eine Location ein, die maximal 3 Flugstunden von Deutschland entfernt ist“. Gesagt, getan ließ sie sich auf diesen bizarren Deal ein und profitiert jetzt sogar doppelt. Zweieinhalb Jahre sind es nun schon, seitdem Dési Teil des Pacura Teams ist und bereut den Schritt in die Zeitarbeit in keiner Sekunde: „Das ist das Beste was mir je passieren konnte, denn ich kann in vielen verschiedenen Alten- und Pflegeheimen arbeiten und diese nach einer gewissen Zeit wechseln, weshalb es nie langweilig wird und ich immer wieder Neues dazu lerne.“ Und der Gewinn der Wette kommt noch on top. Sobald das Reisen, das derzeit durch die weltweite Corona Pandemie eingeschränkt ist, wieder möglich ist, fliegt Dési zusammen mit ihrem Freund und ihrem Onkel nach Paris. In den schönen Straßencafés gibt es dann knusprige Croissants, Pains au Chocolat und Café au lait. Um den Kurztrip abzurunden, steht auch noch ein Besuch im Disneyland Paris auf dem Reiseplan.

Dési bezeichnet sich selbst als Adrenalin Junkie, da sie immer aufgedreht ist und den Nervenkitzel liebt. Kein Wunder, dass die sympathische Altenpflegerin gemeinsam mit ihrem Freund auch jedes Jahr in den Europapark nach Rust fährt und in ihrer Freizeit gerne Motorrad und Buggy fährt. Um einen Ausgleich zu schaffen und nach der Arbeit zur Ruhe zu kommen, beobachtet Dési am liebsten die Bewohner ihres neuen Meeresaquariums. Dort wohnen bereits Garnelen, Schnecken und fünf Korallen zieren die farbenprächtige Unterwasserwelt.